**Neuanfang für die Damen des SV Glehn: Mit frischem Elan in die Zukunft**
„Wir stellen uns neu auf – und sind bereit dafür ...“ =
Nach der 2:3-Niederlage gegen die SpVgg Gustorf-Gindorf war der Abstieg der Damen des SV Glehn nach drei Jahren in der Landesliga besiegelt. Aber für das Team um das Trainerteam Christopher Papadopoulos und Christian Kaiser bedeutet dies kein Ende einer Ära, sondern vielmehr einen Neuanfang mit einem jungen und motivierten Team. Der Sport-Report sprach vor dem letzten Saisonspiel in Wuppertal mit dem Glehner Headcoach:
Sport-Report: „Christo, jetzt wo der Abstieg feststeht: Wie ist die Gefühlslage bei Dir?“
Papadopoulos: „Was in dieser Saison gefehlt hat, waren vor allem die schönen Momente. Die Spielerinnen, unsere Zuschauerinnen und Zuschauer und auch wir Trainer sind müde geworden. Der ständige Kampf gegen zu große Windmühlen geht zu Ende – und das ist für uns jetzt in Ordnung. Wir stellen uns neu auf. Und wir sind bereit dafür.“
Sport-Report: „War letztlich die Landesliga eine Spur zu groß für Euch?“
Papadopoulos: „Nach einer herausragenden Spielzeit 2022/23, die mit dem Aufstieg gekrönt wurde, erwarteten wir verdammt viel von dieser Spielklasse. Wir freuten uns auf spannende Spiele gegen Gegnerinnen, die vielleicht auch mal eine Nummer zu groß sein würden. Wir freuten uns auf lange Auswärtsfahrten in Dörfer und Stadtteile, von denen wir vorher noch nie gehört hatten. Wir freuten uns auf schnellen und technisch starken Fußball. Vor allem aber freuten wir uns darauf, all diese neuen Erfahrungen gemeinsam als Mannschaft aufzusaugen. Aber zu deiner Frage: War die Liga generell zu groß für uns? Ich denke nicht.“
Sport-Report: „Was bleibt nun nach den drei Jahren auf Landesebene für eine Erkenntnis?“
Papadopoulos: „Was nach diesen drei Spielzeiten bleibt, ist eine Mannschaft, die in jedem einzelnen Spiel unglaublich viel Energie und Engagement investiert hat. Ein Kader, der am Ende von vielen langwierigen Verletzungen geprägt war. Junge Spielerinnen, die nicht den Raum und die Zeit bekamen, sich in Ruhe zu entwickeln, sondern fehlende Spielerinnen direkt kompensieren mussten. Mit der SV-Glehn-Brille betrachtet hat uns die Landesliga nie wirklich die Chance gegeben, uns zu beweisen und zu profilieren. Vielleicht steckt aber auch ohne die SVG-Brille ein Stück Wahrheit in dieser Aussage.“
Sport-Report: Hätte man daher im Vorjahr nicht besser schon einen Gang zurückschalten müssen?
Papadopoulos: „Im Nachhinein ist man immer schlauer. Vielleicht kommt dieser Abstieg in der Tat ein Jahr zu spät. Bereits in der Vorsaison war der sportliche Klassenerhalt für uns eigentlich nicht erreichbar. Wir erhielten Schützenhilfe von einer Mannschaft, die ihren Platz freimachte. Wir sprangen direkt auf, lagen uns in den Armen und erhielten den damaligen ersten Segen aus dem Fußballhimmel am grünen Tisch. Die Überzeugung und die Energie, es in der dritten Saison besser zu machen und unsere Daseinsberechtigung zu zeigen, waren riesig. Vielleicht sogar so groß, dass man der Wahrheit noch nicht richtig ins Auge schauen wollte und die Schuld zu oft bei höheren Mächten suchte. Doch dann kamen die bekannten Baustellen zurück. Der Kader blieb zu klein, erste Spielerinnen verließen den Verein und weitere Langzeitverletzungen brachten ein Ungleichgewicht ins Team, das intern nicht mehr aufgefangen werden konnte.“
Sport-Report: Wie habt Ihr euch mit diesem kleinen Kader überhaupt durch die Saison gerettet?
Papadopoulos: „Dass wir in dieser Spielzeit überhaupt Landesliga-Fußball in Glehn gesehen haben, verdanken wir unserer 2. Mannschaft und der U17. Beide Teams haben eindrucksvoll bewiesen, warum der SV Glehn auch #thefootballfamily genannt wird. Dafür möchte ich mich noch einmal ausdrücklich bedanken – bei den Spielerinnen, aber auch bei den Trainerinnen und Trainern, die ihren Fokus ebenfalls auf unsere 1. Damen gelegt haben. Trotz allem möchte ich auf die Landesliga-Zeit nicht nur negativ zurückblicken. Es gab viele besondere Momente, die wir ohne den Aufstieg niemals erlebt hätten.“
Sport-Report: „Zum Beispiel …?“
Papadopoulos: „Natürlich zuerst die damalige Aufstiegsfeier. Der Auswärtssieg beim damaligen Tabellenzweiten Bayer Uerdingen. Der Klassenerhalt in Wuppertal nach der ersten Saison. Die Befreiungsschläge gegen Hilgen, Niederwenigern und Fortuna Wuppertal. Die Abschlussfahrt nach Holland. Und vor allem die Möglichkeit, unserem Verein in der Jubiläumssaison Landesliga-Fußball bieten zu können.“
Sport-Report: „Wagen wir einen Ausblick auf die neue Spielzeit: „Wie geht es jetzt für euch weiter?“
Papadopoulos: „Zunächst einmal mit einem neuen Fokus: Wir setzen auf das, was unseren Verein seit Jahren stark macht: Unsere Jugendarbeit. Wir sind bereit, neue, junge und talentierte Spielerinnen aufzunehmen und Schritt für Schritt in unsere Mannschaft zu integrieren. Einige erfahrene Spielerinnen werden den Verein vermutlich verlassen, andere werden bleiben und die jüngeren Spielerinnen begleiten und stärken. Neben unseren hochrückenden U17-Spielerinnen wird es Rückkehrerinnen aus einem Auslandsjahr oder nach Langzeitverletzungen geben. Spielerinnen, die ihr Karriereende noch einmal verschoben haben. Und Spielerinnen aus der 2. Mannschaft, die den Sprung in die 1. Damen wagen möchten.“
Sport-Report: „Wird es auch von extern Neuzugänge geben?“
Papadopoulos: „Da sind wir natürlich sehr offen und interessiert. Ob mit Erfahrung im Damenfußball oder aus einem älteren U17-Team – alle sind herzlich eingeladen, bei unserem Sichtungstraining am 11., 16. und 18. Juni vorbeizuschauen.“
Sport-Report: „Und dann lautet die Zielsetzung sofortiger Wiederaufstieg?“
Papadopoulos: „Das wäre vermessen. Oben mitspielen, mehr Spiele gewinnen als verlieren muss das primäre Ziel sein. Und dann schauen wir einmal, wie sich so eine Saison dann entwickeln kann.“
Sport-Report: „Mit einem weiterhin tollen Team …?“
Papadopoulos: „Definitiv. Ich muss mich auch ganz besonders bei meinen Spielerinnen bedanken. Sie haben in den vergangenen Jahren immer alles gegeben und sind für mich die Heldinnen dieser Zeit. Ich freue mich schon auf die kommenden Wochen und Monate mit ihnen und wünsche mir sehr, dass viele den neuen Weg gemeinsam mit uns gehen.“